Pager für die Gastronomie: Discover Systems, LRS, Ratiotec und Alternativen im Vergleich
Letztes Update: März 2026
Inhaltsverzeichnis
Der Gast bestellt an der Theke, bekommt einen Pager und setzt sich. Wenn die Bestellung fertig ist, vibriert das Gerät, der Gast holt ab. Pager lösen das Warteschlangen-Problem in Schnellrestaurants, Bäckereien, Kantinen und Biergärten. In Deutschland verkaufen drei Anbieter professionelle Systeme: Discover Systems, LRS und Ratiotec Connect. Daneben gibt es Billig-Pager von Amazon und AliExpress, die oft keine Funklizenz für Deutschland haben. Und es gibt eine günstigere Alternative ganz ohne Pager: den Abholmonitor.
Was sind Pager?
Pager (auch Gästerufsysteme oder Coaster-Pager) sind kleine Funkgeräte, die ein Restaurant an Gäste ausgibt. Die Küche oder der Tresen löst per Knopfdruck oder über das Kassensystem einen Ruf aus. Der Pager vibriert, blinkt und piept. Der Gast bringt den Pager zurück und holt seine Bestellung ab.
Ein Pager-System besteht aus einer Basisstation (Transmitter), den Pagern und einer Ladestation. Die Basisstation sendet das Funksignal, die Pager empfangen es. Nach jedem Einsatz kommen die Pager zurück in die Ladestation.
Wann braucht man Pager?
Pager sind dort sinnvoll, wo Gäste an der Theke bestellen und sich dann hinsetzen oder weggehen. Bäckereien mit Café-Bereich, wo du belegte Brötchen oder warme Gerichte bestellst und dich setzt. Schnellrestaurants, die bei 50 Bestellungen pro Stunde nicht jeden Gast einzeln über Lautsprecher aufrufen wollen. Biergärten, wo sich Gäste nach der Bestellung an der Ausgabe über eine große Fläche verteilen. Kantinen und Mensen, die mittags 200 Essen in 90 Minuten rausdrehen. Food Courts, wo jeder Stand eigene Pager hat.
Pager sind weniger sinnvoll bei Betrieben mit Tischservice, weil dort der Kellner das Essen bringt. Und bei Betrieben, wo die Zubereitung unter zwei Minuten dauert (Kaffeebar, Eisdiele), lohnt sich die Ausgabe und Rücknahme der Geräte nicht.
Discover Systems (JTECH und SOS)
Discover Systems wurde 2000 in Odense (Dänemark) gegründet und hat eine Niederlassung in Hamburg. Discover Systems ist einer der am weitesten verbreiteten Pager-Anbieter in der europäischen Gastronomie.
Discover Systems verkauft zwei Produktlinien: JTECH (professionell, UHF, hohe Reichweite) und das Silent Ordering System / SOS (einfach, 433 MHz, lizenzfrei). PIQY ist direkt mit beiden Linien integriert: mit der JTECH-Netzwerkstation und dem SOS über den RS232-Netzwerkadapter. Die Küche markiert eine Bestellung als fertig im Küchenmonitor (KDS), der Pager des Gastes vibriert automatisch.
JTECH

JTECH ist ein US-amerikanischer Hersteller aus Duluth, Georgia. In Deutschland verkauft Discover Systems den GuestCall IQ (Paddle-Pager mit LED-Display) und die IStation als Netzwerk-Basisstation (Ethernet, RS232, TCP/IP). Die Pager laufen auf 420–470 MHz UHF mit bis zu 2 km Reichweite. Über die IStation lässt sich das System direkt ans Kassensystem oder an PIQY anbinden.
Die JTECH-Linie sendet im UHF-Bereich 420–470 MHz, der in Deutschland nicht frei nutzbar ist. Discover Systems beantragt die Frequenzzuteilung bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) und übernimmt die CE-Zertifizierung für den europäischen Markt. Als Betreiber musst du dich nicht selbst um die Funkgenehmigung kümmern.
Silent Ordering System (SOS)

Das SOS ist Discover Systems’ eigene, günstigere Linie. Die Pager sind kleine Untersetzer (60 mm Durchmesser) und laufen auf 433,92 MHz, ein in der EU lizenzfreies ISM-Band. Keine Frequenzzuteilung nötig. Reichweite: 130 Meter innen, 250 Meter im Freien. Die Pager laufen mit 3V-Knopfzellen statt Akkus, du brauchst keine Ladestation. Ein Dispenser fasst bis zu 33 Pager.
Für die Kassenintegration und die PIQY-Anbindung gibt es einen RS232-Netzwerkadapter. Darüber löst PIQY oder das Kassensystem automatisch den Pager-Ruf aus, wenn eine Bestellung fertig ist.
Preise
Discover Systems veröffentlicht keine Endkundenpreise. Angebote laufen über Discover Systems direkt oder über Wiederverkäufer.
LRS (Long Range Systems)

LRS wurde 1993 in Dallas (USA) gegründet und hat seit 2001 ein Büro in Stoke-on-Trent (UK). In Deutschland sitzt die Long Range Systems GmbH in Braunschweig. Deutsche Händler wie Funkhandel und Falke-Kassen verkaufen die Geräte.
LRS sendet im UHF-Bereich und braucht eine Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur. Die LRS GmbH in Braunschweig übernimmt das für den deutschen Markt.
Pager-Modelle
LRS verkauft in Deutschland drei Gäste-Pager. Der CS6 Coaster Call ist das Basismodell: Untersetzer-Form, rote LED, Nummernaufkleber, stapelbar auf der Ladestation. Der CS7 Coaster Call 2.0 ist das gängigste Modell: Nummern-Display, 6 LED-Farben, bidirektionale Kommunikation, NiMH-Akku mit 24 Stunden Laufzeit. Die Ladestation fasst 15 Pager und lässt sich koppeln (bis 60 gleichzeitig laden). Der CS8 Coaster Call PRO ist die neueste Generation mit Li-Ion-Akku, Farbdisplay und Stoßdämpfung, kompatibel mit älteren Sendern.
Für Mitarbeiter gibt es den SP4 Service Pager (Clip-Pager mit starkem Vibrationsmotor).
Basisstationen
Der T7471 Freedom Transmitter ist das Flaggschiff: UHF, bis 999 Pager, bis 5 km Reichweite im Freifeld, LAN/USB-Anschluss, Anti-Diebstahl-Funktion. In Gebäuden schrumpft die Reichweite auf 50 bis 200 Meter. Für kleinere Betriebe gibt es die T9560/T9561-Familie (Einstiegssender, bis 20 oder 99 Pager).
Preise
| Set | Preis (netto) |
|---|---|
| Starter-Kit 10 Pager (CS6 + Transmitter + Ladestation) | ca. 800 € |
| Komplettsystem 30 Pager (T7471 + 30x CS7 + Rückgabestation) | ca. 2.100 € |
| Einzelner CS7-Pager | ca. 67–79 € |
| Einzelner CS8-Pager | ca. 72–128 € |
| T7471 Freedom Transmitter | ca. 630–713 € |
| Ladestation CS7 (15 Pager) | ca. 39 € |
Kassenintegration
LRS bietet über den T7471 (LAN/USB) und den T7470-232 (RS232 + Trockenkontakte) Hardware-Schnittstellen. Fertige Plug-and-Play-Integrationen für deutsche Kassensysteme gibt es nicht. PIQY arbeitet an einer Integration mit LRS.
Ratiotec Connect

Ratiotec sitzt in Essen und ist primär für Bargeldmanagement-Geräte bekannt (Geldzählmaschinen, Banknotenprüfer). Die CONNECT-Sparte ist ein separates Produkt: eine IoT-Plattform auf Basis von Bluetooth Mesh, die über einfache Pager hinausgeht.
Wie Ratiotec Connect funktioniert
Die CONNECT Box ist der lokale Server. Du greifst per Browser (Tablet, Smartphone, PC) auf die Software zu. Die Pager kommunizieren über Bluetooth Low Energy (BLE) im 2,4-GHz-Band, europaweit lizenzfrei. Reichweite: bis 175 Meter mit der Basisausstattung, erweiterbar über CONNECT Repeater im Mesh-Netzwerk.
Die Pager laden per Stapel-Kontakt: übereinanderlegen, Silberkontakte verbinden sich magnetisch. Kein Einstecken, kein Kabel.
Mehr als nur Pager
Ratiotec Connect ist modular. Die CONNECT ID ist ein Tischgerät mit Touch-Buttons für Kellnerruf, Zahlungsanforderung und Gäste-Feedback. Kombiniert mit Pagern wird daraus Table Tracking: Der Gast nimmt einen Pager an der Theke und setzt sich an einen Tisch mit CONNECT ID. Der Pager koppelt sich automatisch, das Dashboard zeigt dem Service, an welchem Tisch die Bestellung hingehört.
Preise
Alle Starter-Sets enthalten Pager mit Lade-Base und Silikonhüllen, eine CONNECT Box und einen CONNECT Repeater:
| Set | Preis (netto) |
|---|---|
| Starter-Set 10 Pager | 1.283 € |
| Starter-Set 20 Pager | 1.978 € |
| Starter-Set 30 Pager | 2.673 € |
Einzelne Pager, CONNECT IDs und zusätzliche Repeater auf Anfrage bei Ratiotec.
Kassenintegration
Die CONNECT Box hat eine REST-API und WebSocket-Schnittstelle. Zertifizierte Integrationen: Schultes bluepos (Abholruf, Kellnerruf, Table Tracking, Feedback) und 3POS. Weitere Kassensysteme können sich über die offene API anbinden. PIQY arbeitet an einer Integration mit Ratiotec Connect.
Billig-Pager von Amazon und AliExpress
Auf Amazon findest du 10er-Sets ab 150 €, auf AliExpress noch günstiger. Marken wie Retekess, Hendi oder No-Name, alle aus China.
Die meisten Billig-Pager senden auf 433,92 MHz. Das ist in Deutschland ein ISM-Band mit Sekundärnutzung und maximal 10 mW Sendeleistung. Ob ein Pager-System mit mehreren gleichzeitig aktiven Sendern in diesen Rahmen passt, ist rechtlich nicht eindeutig. Manche Billig-Pager tragen ein CE-Zeichen, das bei genauem Hinsehen ein “China Export”-Logo ist, optisch ähnlich, rechtlich wertlos. Professionelle Anbieter nutzen andere Frequenzbänder mit klarer Zulassung (UHF bei JTECH und LRS, Bluetooth bei Ratiotec).
Dazu kommt: Billig-Pager haben keine Schnittstelle zu Kassensystemen. Du rufst den Pager manuell per Knopfdruck auf der Basisstation. Bei einem Defekt wirfst du das Gerät weg, Akkutausch oder Reparatur gibt es nicht. Retekess hat auf Trustpilot 3,4 von 5 Sternen, mit Beschwerden über schwierige Rückgabeprozesse.
Im Biergarten Kleinasperg (Landkreis Ludwigsburg) verursachte ein vermutlicher Defekt in einer Pager-Ladestation einen Brand. Minderwertige Ladestationen mit billigen Akkus sind ein Risiko, das bei professionellen Anbietern mit CE-Zertifizierung und getesteter Hardware deutlich geringer ausfällt.
Typische Probleme mit Pagern
Gäste vergessen den Pager auf dem Tisch, nehmen ihn versehentlich mit oder stecken ihn ein. Professionelle Systeme piepen, wenn der Pager den Empfangsbereich verlässt. Trotzdem rechnen Betriebe mit 5 bis 10 % Verlustrate pro Jahr. Bei 20 Pagern à 80 € sind das 80 bis 160 € jährlich an Ersatzkosten.
Jeder Gast fasst den Pager an. Seit COVID-19 desinfizieren viele Betriebe jeden zurückgegebenen Pager, das kostet Zeit. In der Rush Hour bleibt die Desinfektion auf der Strecke.
500 Meter Reichweite im Freifeld klingt nach viel. In einem Restaurant mit Betonwänden, Keller oder mehreren Stockwerken schrumpft die Reichweite auf 50 bis 200 Meter. Bluetooth-Systeme wie Ratiotec Connect erreichen 175 Meter, lassen sich aber über Mesh-Repeater erweitern. Im Biergarten funktionieren Pager besser als in Gebäuden, weil keine Wände das Signal dämpfen.
20 Pager jeden Abend laden, morgens verteilen. Akkus halten 3 bis 4 Jahre bei ordentlicher Rotation. Wenn du immer nur die oberen Pager vom Stapel nimmst, altern die unteren schneller. Akkutausch: 25 € pro Pager bei professionellen Anbietern.
Abholmonitor: Die günstigere Alternative
Ein Abholmonitor ist ein Bildschirm, der Bestellnummern anzeigt. Der Gast bekommt an der Theke eine Nummer. Wenn die Bestellung fertig ist, erscheint die Nummer auf dem Monitor. Kein Gerät, das du ausgibst, zurücknimmst, lädst, desinfizierst oder ersetzt.
Du gibst nichts an Gäste aus, also geht nichts verloren. Kein Pager wechselt die Hände, keine Hygiene-Frage. Keine Akkus, keine Ladestation, keine Ersatzkosten. Der Bildschirm hängt im Gastraum, nach der Anschaffung fallen nur Stromkosten an. Und du kannst den Abholmonitor direkt an ein Küchenmonitor (KDS) anbinden: Die Küche markiert eine Bestellung als fertig, die Nummer erscheint auf dem Gästebildschirm.
Pager sind dann besser, wenn Gäste den Bildschirm nicht sehen können. Im Biergarten mit 200 Sitzplätzen, im Food Court oder am Flughafen laufen Gäste nach der Bestellung weiter. Dort vibriert ein Pager in der Hosentasche, ein Bildschirm hilft nicht.
PIQY als Abholmonitor
PIQY ist ein Standalone-Küchenmonitor (KDS) mit eingebautem Abholmonitor. Die Küche markiert eine Bestellung als fertig, die Bestellnummer erscheint auf einem separaten Bildschirm im Gastraum.
Wenn dein Betrieb Pager braucht (Biergarten, Food Court, große Außenfläche), ergänzt PIQY das Pager-System um den Küchenmonitor (KDS). PIQY ist direkt mit Discover Systems integriert (JTECH-Netzwerkstation und SOS über RS232-Netzwerkadapter). Integrationen mit LRS und Ratiotec Connect sind in Arbeit.
Abholmonitor-Preise: 29 € pro Bildschirm und Monat (1–2 Bildschirme), 19 € (3–4 Bildschirme), 10 € (ab 5 Bildschirme).
Abholmonitor oder Pager? Beratung erhalten
Wir helfen dir, die passende Lösung für deinen Betrieb zu finden: Abholmonitor, Pager-Integration oder beides.